Kurzfassung: Die SLT ist heute—neben Tropfen—eine evidenzbasierte Erstlinienoption beim (frühen bis moderaten) Offenwinkelglaukom und bei OHT. Operative Verfahren werden gezielt ergänzt, wenn der Zieldruck damit nicht erreichbar ist oder das Risiko fortgeschrittener Schäden hoch ist.
SLT als Erstlinientherapie: Wirksamkeit, Sicherheit, Indikationen
Die SLT setzt kurze, niederenergetische Impulse am Trabekelmaschenwerk, triggert eine biologische Remodellierung und verbessert den Abfluss. Das Verfahren ist gewebeschonend, ambulant durchführbar und wiederholbar.
Langzeit-Evidenz: Die LiGHT-Studie (6-Jahres-Daten) zeigt unter primärer SLT bessere Krankheitskontrolle als unter initialer Tropfentherapie, weniger Progression und weniger need für Trabekulektomie sowie weniger Katarakt-OPs—bei vergleichbarer generischer Lebensqualität und besseren Symptom-Scores.
Leitlinien:
- NICE (UK) empfiehlt 360°-SLT als initiale Behandlung bei neu diagnostiziertem, nicht fortgeschrittenem Offenwinkelglaukom sowie bei OHT ≥ 24 mmHg (Ausnahmen beachten).
- AWMF (DE, 05/2025): Primärtherapie „medikamentös und/oder laserchirurgisch (SLT)“—eine regelhafte Option der ersten Stufe.
Wann passt SLT gut?
- Frühes bis moderates Offenwinkelglaukom / OHT, wenn ein Zieldruck im mittleren Bereich benötigt wird und Tropfen vermieden oder reduziert werden sollen. Wiederholung ist möglich, falls der Effekt nachlässt.
Wichtige Ausschlussgründe/Limitierungen:
- Fehlende Sicht auf das Trabekelmaschenwerk, ausgeprägte periphere vordere Synechien, neovaskuläres oder aktuell entzündliches Glaukom; bei Winkelrezessionsglaukom ist der Effekt häufig eingeschränkt (narbige/gestörte Winkelarchitektur).
„Innovative“ Glaukomchirurgie: aktueller Rahmen statt schillernder Sammelbegriffe
Die AWMF-S1-Leitlinie (05/2025) vermeidet bewusst den Begriff „MIGS“ und unterscheidet trabekuläre, suprachoroidale und subkonjunktivale Verfahren—jeweils mit differierendem Drucksenkungspotenzial und Risikoprofil.
- Trabekuläre Verfahren (z. B. Kanal-/TM-Bypässe): umgehen den Widerstand im Trabekel/Schlemm-System; moderat effektiv, oft mit Katarakt-OP kombiniert oder als Eskalation nach SLT/Tropfen. Langzeitdaten (z. B. iStent/Hydrus) zeigen anhaltende IOD- und Medikamentenreduktion bei günstiger Sicherheit.
- Suprachoroidale Verfahren: alternativer Abfluss in den suprachoroidalen Raum. Historische Sicherheitsbedenken (z. B. CyPass-Rückzug wegen Endothelzellverlust) erfordern Zurückhaltung; neuere Systeme wie MINIject liefern vielversprechende 2–5-Jahres-Daten, dennoch ECL-Monitoring wichtig.
- Subkonjunktivale Verfahren (bleb-basiert; z. B. XEN, PreserFlo): effektive Drucksenkung bis in tiefe Zielbereiche, aber engmaschige Nachsorge. Im Vergleich zur Trabekulektomie: meist höheres Komfort-/Sicherheitsprofil, dafür im Mittel etwas höhere Rest-IODs; die Trabekulektomie bleibt Maßstab, wenn sehr niedrige Zielwerte benötigt werden.
Praktische Einordnung (stufenweise, individualisiert)
- Frühes–moderates Offenwinkelglaukom / OHT: Primär SLT (alternativ Tropfen)—schonend, evidenzgestützt, repetierbar.
- Unzureichende Kontrolle trotz SLT/Tropfen: Trabekuläre Implantate (ggf. mit Katarakt-OP) als nächste Eskalation.
- Fortgeschrittene Schäden oder sehr niedriger Zieldruck nötig: Subkonjunktivale Verfahren / Trabekulektomie; hohe Effektivität, aber intensivere Nachsorge. Entscheidung anhand Zieldruck, Progression und Risikoprofil.
- Spezielle Konstellationen: Suprachoroidal erwägen, wenn Profildaten passen und ECL-Überwachung gewährleistet ist.
Fazit: Moderne Glaukomversorgung ist stufenweise und personalisiert. SLT hat sich—neben Tropfen—als regelhafte Erstlinienbehandlung etabliert. Chirurgische Optionen erweitern das Spektrum sinnvoll, sobald konservative/laserbasierte Maßnahmen nicht ausreichen, den individuellen Zieldruck sicher zu erreichen.
