Interview zum Thema
Keratokonus

Veröffentlicht von DOmed- Team am

Interview zum Thema Keratokonus

Herr Alexander R., 30. Jahre alt, suchte uns zunächst im DOmed Augenzentrum am Phönixsee und danach in der DOmed Augenklinik Westfalen in Dortmund, in diesem Jahr zum ersten Mal auf.

Wir freuen uns sehr, dass er sich zu einem persönlichen Interview am 22.07.2021 bereit erklärt hat, um anderen Bertoffenen einen Eindruck aus der Patientenperspektive geben zu können.

Marc Driesen
Geführt wurde das Interview von Marc Driesen
Wann und wie haben Sie bemerkt, dass mit Ihrer Sehfähigkeit etwas nicht stimmt?

Zum ersten Mal habe ich es vor ca. 5 Jahren beim Zugfahren bemerkt. Mir ist aufgefallen, dass, wenn ich auf der linken Seite im Zug aus dem Fenster schaute, es nötig war, immer den Kopf relativ weit in Richtung des Fensters zu drehen, um aus dem Fenster heraus alles deutlich erkennen zu können.  Wenn ich auf der rechten Fensterseite saß, hatte ich dieses Problem nicht. Ich fing also damals schon an, beide Augen miteinander zu vergleichen und wusste eigentlich schon, dass mit dem linken Auge etwas nicht stimmt.

Warum haben Sie nicht schon damals einen Augenarzt aufgesucht?

Da zwei meiner Brüder auch eine Hornhautverkrümmung hatten, lag für mich nah, dass es bei mir sicher auch familiär bedingt so sein würde. Da ich aber mit beiden Augen zusammen keine Probleme im Alltag verspürte, habe ich das offensichtliche Problem bis heute vor mir hergeschoben und zunächst ignoriert. Erst vor 3-4 Monaten gab es wieder einmal eine Situation, in der mir sehr bewusst aufgefallen ist, dass mein linkes Auge deutlich schlechter sieht als mein rechtes.

Was hat nun schlussendlich dazu geführt, dass Sie den Weg zu uns gefunden haben?

Meine Frau hat sich vor kurzem die Augen lasern lassen und kann jetzt ohne Brille super sehen. Daraufhin kam mir der Gedanke, dass auch machen zu lassen, da ich noch nie eine Brille tragen musste. Deswegen bin ich zur Kontrolle in Ihr Augenzentrum am Phönixsee gegangen, um mich untersuchen und beraten zu lassen.

Wie ist der Termin abgelaufen und zu was wurde Ihnen geraten?

Zunächst wurden meine Augen von Frau Dr. Wortmann gründlich untersucht und ein Sehtest durchgeführt, der subjektiv aber zu keiner zufriedenstellenden Sehverbesserung auf dem linken Auge geführt hat. Sie äußerte den Verdacht, dass evtl. eine Unterentwicklung des Auges vorliegt, die keine bessere Sehleistung zulässt. Frau Dr. Wortmann erläuterte mir weiter, dass zunächst aufgrund der vorliegenden Hornhautverkrümmung noch eine weitere Untersuchung in der Augenklinik Westfalen erfolgen sollte, um eine Erkrankung der Hornhaut auszuschließen.

Dr. med. Katharina Wortmann
Dr. med. Katharina Wortmann
Was waren nach dem letzten Termin bei Dr. Ackermann in der Augenklinik Westfalen - er klärte Sie über das Vorliegen eines Keratokonus an beiden Augen und das weitere Vorgehen auf - Ihre Gedanken und Fragen?

Da ich mir nun bewusst darüber war, dass bei mir eine Erkrankung vorliegt, die je nach Verlauf behandelt werden muss, bleiben natürlich Fragen und auch Ungewissheit. Da die Therapiemöglichkeiten eingeschränkt sind und es kein Mittel gibt, um den schon entstandenen Schaden zu reparieren, stellte sich mir natürlich die Frage nach dem weiteren Verlauf der Erkrankung und nach dem „Worst Case“.

Dr. med. Philipp Ackermann
Dr. med. Philipp Ackermann

Erläuterung zum Fall:

Nach Ihrem ersten Termin Anfang Februar haben wir nun Anfang Juli festgestellt, dass sich bei Ihnen der Hornhautbefund nicht verändert hat. Sollte dies bei Ihrer nächsten Kontrolle in einem halben Jahr wieder so sein, werden wir die Kontrollintervalle auf 12 Monate ausweiten können. Wir können dann von einem zunächst stabilen Befund sprechen und uns der Versorgung mit einer Sehhilfe widmen.

Während bei gering ausgeprägten Fällen wie an Ihrem rechten Auge meist noch eine Versorgung mit Brille oder normaler Kontaktlinse möglich wäre, ist bei einem fortgeschrittenen Keratokonus wie auf Ihrem linken Auge nur noch die Versorgung mit speziellen formstabilen Kontaktlinsen möglich, um eine optimale Sehleistung wieder herzustellen. Hierzu empfehlen wir ein spezialisiertes Kontaktlinseninstitut aufzusuchen, was die Anpassung einer Keratokonus- Kontaktlinse fachmännisch übernehmen kann.

Sollte sich im weiteren Verlauf der Erkrankung bei Ihnen eine Verschlechterung zeigen, müssen wir uns über die erfolgversprechendste Behandlung des Keratokonus, das so genannte Crosslinking welches, die zunehmende Vorwölbung der Hornhaut aufhalten soll, unterhalten.

Sollten Sie auf dem linken Auge die Kontaktlinse nicht gut vertragen, können wir z.B. eine Implantation intracornealer Ringsegmente wie den „Keraring“ planen, um die Unregelmäßigkeit der Hornhaut auszugleichen. Eine deutliche Verbesserung der Sehschärfe kann somit in Aussicht gestellt werden.

Erst wenn Ihr Keratokonus mit Kontaktlinsen nicht mehr zu versorgen ist und Behandlungsansätze wie das Crosslinking oder der Keraring nicht mehr helfen können, wäre dies ein Grund dafür über eine Hornhauttransplantation nachzudenken.

Hornhauttomographie-Untersuchung des linken Auges:
In der Darstellung oben links ist zu sehen, dass hier eine deutlich asymmetrische und irreguläre Geometrie der Hornhaut vorliegt. Die „Lila Insel“ unterhalb zeigt einen klaren Keratokonus. Die Hornhautdicke ist mit 514 µm gegenüber dem rechten Auge mit über 550 µm deutlich verdünnt. In der Darstellung der Höhendaten sind Erhebungen auf der Rückfläche der Hornhaut von 55 µm und auf der Vorderfläche der Hornhaut von 24 µm ebenfalls ein klarer Indikator für einen fortgeschrittenen Keratokonus. Mit der bestmöglichen Brillenkorrektur hat Alexander R. aktuell auf dem Auge eine deutlich reduzierte Sehschärfe.
Hornhauttomographie-Untersuchung des rechten Auges:
In der Darstellung oben links ist zu sehen, dass auch auf dem rechten Auge schon eine asymmetrische, irreguläre Geometrie der Hornhaut vorliegt.  Die „Rote Insel“ unterhalb ist als abnormal zu bezeichnen. Die Hornhautdicke ist noch normal. In der Darstellung der Höhendaten sind Erhebungen auf der Rückfläche der Hornhaut von 15 µm und auf der Vorderfläche der Hornhaut von 6 µm ebenfalls Anzeichen für einen beginnenden Keratokonus. Aktuell hat Alexander R. noch eine tadellose Sehleistung auf diesem Auge und braucht keine Brillenkorrektur.
Was würden Sie den Lesern und Betroffenen empfehlen?

Ich rate jedem, der eine Veränderungen seiner Sehfähigkeit bemerkt, sofort einen Augenarzt aufzusuchen. Anzuraten ist auch, weiterführende ggf. kostenpflichtige Untersuchungen zu erfragen und wahr zu nehmen sowie in der Familie bekannte Augenerkrankungen und Fehlsichtigkeiten zum Anlass zu nehmen die eigenen Augen kontrollieren zu lassen.

Vielen Dank für das angenehme Interview!

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Hornhauterkrankung Keratokonus
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