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Blick durch die Windschutzscheibe bei Nacht

Blog

07.05.2026

Autofahren bei Dämmerung & Blendung: So prüfen wir Nyktometrie und Kontrast – und was die FeV verlangt

Nachts oder in der Dämmerung wirken Konturen weicher, Scheinwerfer blenden – viele Menschen fühlen sich unsicher. In der augenärztlichen Praxis lässt sich das gezielt messen: mit Nyktometrie (mesopisches Sehen), Blendempfindlichkeits-Tests und Kontrastprüfungen wie Pelli-Robson. Gleichzeitig gibt die Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) vor, wann und wie Sehleistungen für die Fahreignung geprüft werden. Dieser Beitrag erklärt die wichtigsten Tests, Grenzwerte und gesetzlichen Grundlagen – verständlich und evidenzbasiert.

1) Was ändert sich bei Dunkelheit?

Bei mesopischen Lichtbedingungen (Dämmerung) arbeitet die Netzhaut anders: die Stäbchen übernehmen mehr, Kontraste sinken, Blendung stört stärker. Deshalb reicht eine gute Tagessehschärfe allein nicht aus, um Nachtfahrtauglichkeit sicher zu beurteilen. Fachartikel und Leitfäden empfehlen hierfür spezifische Kontrast- und Nyktometrie-Tests.

2) Was fordert die FeV?

• Basis-Sehtest (§ 12, Anlage 6): Bestanden, wenn die zentrale Tagessehschärfe die geforderten Werte erreicht (z. B. 0,7/0,7 bei Klasse B). Bei Nichterfüllung folgt eine augenärztliche Untersuchung.
• Augenärztliche Begutachtung (Anlage 6 Nr. 2.1/2.2): Neben Visus und Gesichtsfeld sind Kontrast- oder Dämmerungssehen sowie Blendempfindlichkeit zu prüfen und zu berücksichtigen. Für höhere Klassen (C/D/Personenbeförderung) ist ein erweiterter Sehtest vorgeschrieben. Offizielle Formulare der Behörden spiegeln das explizit wider.
Wichtig: Die DOG/BVA-Leitlinie konkretisiert das Vorgehen und verweist auf geeignete Prüfverfahren; sie ist die maßgebliche Orientierung für die Praxis.

3) Wie wird gemessen? (Nyktometrie, Blendung, Kontrast)

Mesopisches Kontrastsehen & Blendempfindlichkeit (Nyktometrie)
Ein Nyktometer/Mesotest präsentiert Sehzeichen bei sehr niedriger Hintergrundleuchtdichte (Dämmerungsbedingungen) – mit und ohne Blendung. Beim Mesotest II (klinischer „Goldstandard“ in Studien) liegen die typischen Teststufen bei 1:23, 1:5, 1:2,7, 1:2; gemessen wird u. a. bei ca. 0,032 cd/m² (ohne Blendung) bzw. 0,1 cd/m² (mit Blendung).
Die DOG-Verkehrskommission nennt für die Bewertung des Dämmerungssehens Grenzkontraste (Siebtest) – u. a. 1:23 (Klassen A/B etc.), 1:5 (Klasse C) und 1:2,7 (Klasse D/Personenbeförderung). Werden diese nicht erreicht, wird ein Nachtfahrverbot empfohlen.
Hinweis: Die FeV verlangt Kontrast- oder Dämmerungssehen; eine Blendprüfung ist im engeren Wortlaut nicht in allen Fällen gefordert, wird aber fachlich empfohlen und gehört zur Begutachtungspraxis.
Photopisches Kontrastsehen (z. B. Pelli-Robson)
Kontrast wird auch bei Tageslichtbedingungen gemessen – z. B. mit der Pelli-Robson-Tafel. In Studien gelten ~1,65 logCS (bei 3 m Prüfdistanz) als praktikabler Grenzwert; bei älteren Gesunden liegen viele Werte ≥ 1,65 logCS.
In einer klinischen Vergleichsstudie zeigte sich: Mesotest II bleibt Referenz für die Dämmerungs-/Blendprüfung, während photopische Screeninggeräte (z. B. Binoptometer 4P, Optovist EU) mit einem Grenzwert von 15 % Weber-Kontrast gut trennen – eine endgültige Entscheidung zur Nachtfahrtauglichkeit sollte aber nicht allein auf photopischen Tests beruhen.

4) Wie interpretieren wir die Ergebnisse?

• Unauffällig: Normale Werte in Nyktometrie/Kontrast; Nachtfahrt im Regelfall unproblematisch.
• Auffällig: Erhöhte Blendempfindlichkeit oder reduziertes mesopisches Kontrastsehen – wir prüfen Ursachen (z. B. Katarakt, nicht optimal korrigierte Fehlsichtigkeit, in Einzelfällen multifokale IOL/optische Nebenwirkungen) und besprechen Therapie/Anpassungen.
• Grenzfälle/Höhere Klassen: Bei Lkw/Bus/Personenbeförderung gelten strengere Anforderungen; je nach Befund kann eine Einschränkung (z. B. Nachtfahrverbot) sinnvoll sein.

5) Typische Gründe für Probleme bei Nacht

• Linsentrübung (Katarakt) → Streulicht, geringeres Kontrastsehen
• Refraktionsfehler → v. a. Nachtmyopie/unterkorrigierte Fehlsichtigkeit
Augenoberflächen-/Tränenfilmstörungen → Streulicht/Schleier
• Nach refraktiver/Presbyopie-Chirurgie oder multifokalen IOL → mögliche optische Nebenwirkungen (Halos, Glare)
Diese Zusammenhänge und die differenzierte Bewertung sind in Fachbeiträgen und Stellungnahmen ausformuliert.

6) Was bedeutet das für Sie?

  1. Unsicherheit nachts? – Lassen Sie Nyktometrie/Blendung und Kontrast prüfen, nicht nur den Tagesvisus.
  2. Objektives Ergebnis: Wir nutzen standardisierte Tests (Mesotest/Nyktometer; Pelli-Robson), orientieren uns an DOG/BVA-Empfehlungen und den Anforderungen der FeV.
  3. Therapie & Auflagen: Von Sehhilfen-Optimierung bis zur Katarakt-OP – maßgeschneidert. In Einzelfällen sind Auflagen (z. B. Nachtfahrverbot) die sichere Lösung.

Häufige Fragen (FAQ)

Reicht der normale Führerschein-Sehtest?
Für die Ersterteilung ja – er prüft die Tagessehschärfe. Bei Beschwerden, Nichterfüllung der Anforderungen oder für höhere Klassen ist eine augenärztliche Untersuchung inkl. Kontrast/Dämmerungssehen vorgeschrieben.
Muss immer eine Blendprüfung stattfinden?
Die FeV verlangt Kontrast- oder Dämmerungssehen; eine Blendprüfung ist nicht in allen Abschnitten ausdrücklich gefordert, wird aber in der Begutachtungspraxis (DOG-Empfehlungen) sinnvoll eingesetzt.
Welche Grenzwerte gelten?
In DOG-Unterlagen/Studien werden u. a. 1:2,7 (Mesotest II) bzw. ~1,65 logCS (Pelli-Robson bei 3 m) als praxisrelevante Schwellen genannt; zusätzlich existieren klassenspezifische Siebtests (z. B. 1:23/1:5/1:2,7). Die genaue Einordnung erfolgt ärztlich.